Landesinnungen Bau und Bauhilfsgewerbe zogen eine differenzierte Bilanz des letzten Jahres, bezogen klar Stellung zu aktuellen Herausforderungen und zeigten auf, wo Handlungsbedarf besteht
Zum 20. Mal ging gestern Abend der Bautag OÖ über die Bühne und setzte dabei ein starkes Zeichen: Mit über 400 Gästen wurde ein neuer Teilnehmerrekord erreicht. Zwei Jahrzehnte nach seiner Neuausrichtung hat sich der Bautag damit endgültig als Fixpunkt der heimischen Bauwirtschaft etabliert, als Plattform für Information, Diskussion und Vernetzung. Die beiden Gastgeber und Landesinnungsmeister Wolfgang Holzhaider (Bau) und Martin Greiner (Bauhilfsgewerbe) gaben einen Rückblick auf das Baujahr 2025 sowie einen Ausblick auf die aktuelle Marktlage mit all ihren Chancen und Hürden.
Viele Interessen — ein gemeinsames Ziel
„Das letzte Jahr und auch der Beginn des heurigen Jahres waren nach wie vor ein Bohren dicker Bretter“, sagte Wolfgang Holzhaider. Die Interessen der Branche seien vielfältig, vom Erdbau über Brunnenbau, Planung, Baumeisterbetriebe in unterschiedlichsten Größen bis hin zu Putz- und Estrichgewerken. „Was uns eint, ist das Gebäude als Ganzes. Wir arbeiten gemeinsam am Haus und genau diese Gemeinsamkeit wollen wir stärken und fördern“, so Holzhaider. Ein zentraler Schwerpunkt der Landesinnung Bau OÖ ist dabei das deregulierte Bauen. Die Bauwirtschaft stehe vor einem strukturellen Wendepunkt. Steigende Kosten, komplexe Regelwerke und ein herausforderndes Marktumfeld erfordern neue Antworten. Vereinfachte Standards, gestärkte Planungskompetenz, moderne Regulatorik und eine strategische Zusammenarbeit werden den Erfolg bringen.
Hamburg-Standard als Vorbild
Als konkretes Beispiel nannte Holzhaider den sogenannten „Hamburg-Standard“, bei dem durch radikal vereinfachte Bauweisen bis zu einem Drittel der Kosten eingespart werden konnten. „Diese Vorzeigeprojekte wollen wir nach Oberösterreich holen und auch hier umsetzen“, betonte er. Auch das Thema Bodenverbrauch müsse weiterhin mit Hausverstand angegangen werden. Eine Umfrage beim letzten Bautag unter den anwesenden 400 Teilnehmenden zeigte: 55 Prozent erachten einen geringeren Bodenverbrauch und effizientes Bauen als besonders wichtig. Die Landesinnung werde sich daher aktiv in die Diskussionen der Raumordnungskonferenz einbringen und diese auch unterstützen.
Holzhaider unterstrich zudem die Systemrelevanz der Bauwirtschaft und forderte die Stärkung regionaler Wertschöpfung. „Wenn bei Vergaben wieder ausschließlich der Preis entscheidet, verlieren heimische Unternehmen ihren Wettbewerbsvorteil“, so Holzhaider. Österreich müsse konsequent nach dem Prinzip „rot-weiß-rot“ vergeben: Eine Initiative der Sozialpartner, die es zu unterstützen gelte.
Die Baukonjunktur zeigt laut Landesinnung Bau ein deutliches Plus im Einfamilienhaussektor. Hier wurden im vergangenen Jahr spürbar mehr Baubewilligungen österreichweit verzeichnet. In anderen Segmenten bleibt die Lage angespannt. Besonders Bauträger stehen weiterhin unter Druck, zusätzlich verschärft durch die restriktivere Kreditvergabe bei Gewerbeimmobilien. Der Systemrisikopuffer wurde hier auf 3,5 Prozent angehoben.
Nicht jammern — selbst gestalten
Martin Greiner zeichnete ein realistisches, aber bewusst positives Bild der Branche. „Wir haben in Österreich 18 Berufsgruppen, einige sind sehr gut ausgelastet, andere deutlich weniger. Wir bilden alles ab“, so Greiner. Sein Credo: „Positiv in die Zukunft schauen, nicht jammern, selbst gestalten und den nächsten Schritt machen.“ Besonders kritisch äußerte sich Greiner zum Schulsystem und zur Situation der Klein- und Mittelbetriebe. Rund 99 Prozent der Unternehmen in Österreich seien KMU, 90 Prozent davon Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Für diese Betriebe brauche es praxistaugliche Rahmenbedingungen, wie etwa bei der Arbeitszeitregelung für Lehrlinge. „Hier muss endlich nachgeschärft werden“, forderte Greiner. Ein zentrales Anliegen bleibt die ausufernde Bürokratie, die der Bauwirtschaft zunehmend den Handlungsspielraum nimmt. Vor allem widersprüchliche sowie praktisch wirkungslose Vorschriften binden Ressourcen, die in den Betrieben dringend gebraucht werden. „Allein bei kleinen und mittleren Unternehmen verschlingt die Bürokratie rund 70 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr“, betonte Greiner. Er erneuerte daher seine Forderung nach der Abschaffung der NoVA für Pritschen- und Kastenwagen, die für Bau- und Baunebengewerbe Arbeitsmittel und keine Pkw seien. Skeptisch äußerte sich Greiner auch zu angekündigten Entlastungsschritten, denen häufig rasch neue Regulierungen folgten. Die Hitzeschutzverordnung stehe exemplarisch für Vorgaben, die an der betrieblichen Realität vorbeigingen. Sein Fazit: Statt Regelwerke im Nachhinein zu reparieren, brauche es den Mut, unnötige Vorschriften gar nicht erst entstehen zu lassen.
Zwei Jahrzehnte Bautag: Rückblick und Auszeichnung
Einen Rückblick auf 20 Jahre Bautag gab Geschäftsführer Markus Hofer, der vor zwei Jahrzehnten das Format modernisierte und namhafte Zukunftsforscher, Vordenker, Sportgrößen und Visionäre auf die Bühne holte. Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem dem ehemaligen Landesinnungsmeister des Bauhilfsgewerbes Josef Hofer für seine langjährige, erfolgreiche Tätigkeit die Silberne Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer OÖ verliehen.
Ein Fixpunkt war auch heuer die Moderation durch Silvia Schneider. Bereits zum 13. Mal führte sie souverän, pointiert und mit viel Gespür für Publikum und Branche durch den Bautag, eine Zusammenarbeit, die sie augenzwinkernd selbst als ihre „längste Beziehung“ bezeichnete. Für einen unterhaltsamen Höhepunkt sorgte der Auftritt von Gernot Kulis. Der österreichische Comedian nahm die Gäste humorvoll mit in seine neue Live-Show „Ich kann nicht anders“ in die Welt von Künstlicher Intelligenz, Freundschaft und Familie.